Kurztrip nach Marokko

Dieser Beitrag gehört definitiv zur Kategorie „… und der ganze Rest“. Ein bisschen aber auch zur Kategorie „Computer …“. Zwar ist das Internet ein idealer Ort, um eine Reise zu planen. Allerdings kann einem der Besuch von (zu vielen) Internetforen auch fast die Lust am Reisen verderben.

Ich las u.a. zahllose Kommentare über unfreundliches Personal am Flughafen und in den Hotels, über die Unmöglichkeit, ohne gute Französischkenntnisse zurecht zu kommen, über die ständige Belästigung durch „falsche guides“ und darüber, dass man von Taxifahrern grundsätzlich ausgenommen wird. (Fast) nix davon hat für uns gestimmt! Das Personal am Flughafen und in den Hotels war überwiegend freundlich, viele sprachen auch Englisch und Belästigungen hielten sich sehr in Grenzen. Tatsächlich versuchen die Taxifahrer in Marrakech einen über den Tisch zu ziehen, aber dagegen hilft verhandeln.

Schlussfolgerung: Nicht zu viele Kommentare lesen, daran denken, dass die Menschen eher über das berichten, was ihnen stinkt, und einen kühlen Kopf bewahren. Dies gilt auch für die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes, zu der Erika Därr Stellung genommen hat.

Die Route

In der Woche vor Weihnachten reiste ich mit meiner Tochter eine Woche lang durch den Süden Marokkos. Das war unsere Route. Für den „Großen Süden“ Marokkos hatten wir uns entschlossen, da Freunde meinten, dies sei der interessanteste und schönste Teil Marokkos. Dazu kam, dass ich die Wüste sehen wollte und die Entfernungen für eine 4-tägige Tour mit dem Mietwagen nicht zu groß schienen.

route_marokko

Das Wetter (Mitte/Ende Dezember) war die ganze Zeit sehr schön. Meist schien die Sonne und es wurde tagsüber bis zu über 20 Grad warm. Allerdings war es morgens und abends/nachts sehr kühl. Eine warme Jacke und/oder ein warmer Pulli sollten unbedingt dabei sein. Am besten zieht man sich nach dem Zwiebelprinzip an; so kann man sich den Temperaturen am besten anpassen. Wir hatten nur Handgepäck dabei; das hat gut gereicht.

Wir flogen mit Ryanair von Memmingen nach Marrakech, übernahmen dort direkt einen Mietwagen (Peugeot 206+) von Europcar und fuhren zum Hotel Les Idrissides (schönes Zimmer, sehr gutes Frühstück) in Flughafennähe.

Sonntag machten wir uns auf den Weg nach Ait Benhaddou und Ouarzazate. Die Fahrt durch den Hohen Atlas war atemberaubend und fahrerisch recht anspruchsvoll. Die Kasbah in Ait Benhaddou ist wirklich sehenswert. In Ouarzazate übernachteten wir im Hotel Ibis.

ait_benhaddou

Montag besuchten wir die Atlas Film Studios, in denen Filme wie Gladiator, Black Hawk Down und Königreich der Himmel, aber auch neue TV-Produktionen wie Game of Thrones gedreht wurden. Die Führung durch die Studios hat großen Spass gemacht. Unser nächstes Ziel war Zagora, wo wir zwei Nächte im Riad La Petitite Kasbah verbrachten. Die Unterkunft dort ist einfach, allerdings sind die Gastgeber äußerst zuvorkommend und hilfreich und das Essen ist ausgezeichnet.

18122013699Dienstag statteten wir den Tinfou-Dünen einen kurzen Besuch ab und fuhren dann weiter nach M’Hamid am Rande der Sahara. Kurz vor M’hamid machten wir die unangenehmste Erfahrung unserer Reise: Ein Vertreter der Agentur Sahara Services parkte sein großes SUV mitten auf der Straße und versuchte, uns zu stoppen. Als ich vorsichtig an ihm vorbei führ, verfolgte er uns und versuchte, mich durch ein Überholmanöver erneut zu stoppen. Finger weg von diesem Anbieter! In M’Hamid fanden wir auf der Terrasse eines Cafes dann einen anderen Anbieter, der uns ein günstiges Angebot für eine (kurze) Wüstentour im 4×4 machte. Aus Zeitgründen führen wir nicht nach Erg Chegaga (sorry – ich kann nichts für die schwarze Schrift auf dunkelblauem Hintergrund), sondern beschränkten uns auf ein Gebiet wenige Kilometer von M’Hamid entfernt. Wir befuhren und bestiegen einigen Dünen, tranken Tee in einem Wüstencamp und versuchten uns an Sandboarding, was überraschend gut gelang. Insgesamt jedoch nur „Wüste light“; beim nächsten Mal nehmen wir uns mehr Zeit.

sandboarding_2

Mittwoch fuhren wir von Zagora nach Quarzazte, wo wir und die Stadt anschauten und erneut im Ibis übernachteten.

Donnerstag ging es zurück nach Marrakech. Auto am Flughafen abgeben und dann mit dem Taxi (verhandeln!) ins Hotel Residence Assounfou, wo wir für zwei Nächte ein Apartment gebucht hatten. Das Apart-Hotel liegt in der Neustadt (Gueliz) von Marrakesch, etwa 25 Minuten zu Fuß von der Medina und dem Djemaa el Fna Platz entfernt.

cafefrance

Freitag verbrachten wir in Marrakech im Jardin Majorelle, in Gueliz, in den Souks und auf dem Djemaa el Fna.

Samstag flogen wir nach Memmingen zurück.

Kosten

  • Flug mit Ryanair von Memmingen nach Marrakech und zurück € 260 (für 2 Personen)
  • Mietwagen Europcar für 5 Tage € 200 (es gibt auch deutlich billigere Angebote)
  • Benzin ca. € 60
  • Hotels zwischen € 30 und € 60 pro Übernachtung
  • Abendessen (2 Personen) ca. € 10-13; Zwischenmahlzeit (2 Personen) ca. € 5
  • alles in allem hat die Woche in Marroko etwa € 800 gekostet.

Infos

Geld umtauschen schon in Deutschland ist nicht nötig. Zwar wird die Einfuhr von 1000 MAD (Dirham) pro Person toleriert, doch ist es günstiger, direkt nach der Ankunft am Flughafen zu tauschen. Vieles – eigentlich fast alles – kann auch in € bezahlt werden. Allerdings ist es wichtig, ausreichend € in kleinen Scheinen dabei zu haben. Ich bin vor dem Abflug zur Bank gegangen und habe mir zahlreiche € 5 und € 10 Scheine geben lassen.

Telefonieren und Internet. Am Flughafen in Marrakech bekamen wir kostenlos eine Prepaid SIM-Karte vom Provider inwi mit ein paar Dirham Guthaben, die in jedem Teleshop aufgeladen werden kann. Gut fürs Zweithandy um günstig nach Hause zu telefonieren oder Gespräche in Marokko zu führen. Einen Datentarif brauchten wir nicht, da praktisch alle Hotels und viele Restaurants kostenloses WLAN/WiFi anbieten.

Navigation. Fernstraßen sind gut ausgeschildert; man braucht kein Navi, um z.B. von Marrakech nach Ouarzarate zu kommen. Nützlich ist ein Navi jedoch, um die Hotels usw. zu finden. Am besten vor der Abreise eine (kostenlose) Offline-Navigations-App aufs Smartphone laden. Falls man unterwegs eine Buchung ändern will/muss ist es sinnvoll, auch Apps wie booking.com auf dem Smartphone zu haben.

Verkehr. Autofahren in Marokko ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber durchaus machbar. In Marrakech herrscht sehr heftiger und (scheinbar) chaotischer Verkehr, der seinen eigenen Regeln folgt. Aufmerksam sein und davon ausgehen, dass auch die anderen Auto- und Mopedfahrer sehr aufmerksam sind – dann klappt es. Auf den Straßen außerhalb von Marrakech in erster Linie auf Mopedfahrer, Radfahrer, Fußgänger und Eselskarren achten; alle teilen sich gleichberechtigt die Straße, im Falle der Fußgänger (Schulkinder) und Radfahrer auch mal 4 oder 5 nebeneinander. Nachtfahrten habe ich vermieden. Generell sind die Straßen in einem guten Zustand. Die Straßen durch das Atlas-Gebirge sind landschaftlich sehr schön, erfordern aber eine erhöhte Aufmerksamkeit. Die Durchschnittsgeschwindigkeiten liegen bei 50km/h bis 60km/h.

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